Bezahlbarer Wohnraum gehört zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – auch in Kleinostheim.
Umso mehr hat uns der Antrag der SPD gefreut, eine Stelle für ein kommunales Immobilienmanagement zu schaffen, der die vorhandenen Leerstände identifizieren und dabei unterstützt, leerstehende Wohn- und Gewerbeflächen wieder einer Nutzung zuzuführen.
Schade ist, dass dieses wichtige Thema im Gemeinderat bislang nicht den Stellenwert erhält, den es verdient.
Dabei geht es nicht nur um den Bau neuer Wohnungen. Auch in Kleinostheim gibt es leerstehende Wohnungen, ungenutzte Gebäude und unbebaute Grundstücke. Diese vorhandenen Potenziale müssen stärker in den Blick genommen werden.
Die Bayerische Verfassung ist hier eindeutig. In Artikel 106 heißt es:
(1) Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung.
(2) Die Förderung des Baues billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden.
Damit ist klar: Auch die Gemeinden tragen Verantwortung dafür, Wohnraum zu schaffen und vorhandene Wohnraumreserven zu aktivieren.
Erfreulicherweise entstehen über die gemeindeeigene Wohnungsbaugesellschaft bereits neue Projekte. Das begrüßen wir ausdrücklich. Gleichzeitig sollte jedoch auch der bestehende, leerstehende Gebäudebestand stärker genutzt werden. Denn jeder Quadratmeter, der bereits vorhanden ist und wieder bewohnt werden kann, schont Flächen, Ressourcen und das Klima.
Bereits vor einiger Zeit haben wir deshalb das sogenannte Viernheimer Modell „Vermiete an die Gemeinde“ vorgeschlagen. Dabei mietet die Kommune Wohnungen von privaten Eigentümer*innen an, übernimmt das Mietmanagement und vermietet die Wohnungen weiter. Das schafft Sicherheit für Vermieter und bringt leerstehenden Wohnraum wieder auf den Markt. Leider wurde unser Vorschlag ebenso abgelehnt wie nun der SPD-Antrag.
Dabei zeigen zahlreiche Kommunen inzwischen, dass kommunale Wohnraumagenturen oder Immobilienmanager erfolgreich dabei helfen können, Leerstände zu erfassen, Eigentümer zu beraten und Wohnraum wieder nutzbar zu machen.
Solche Modelle setzen auf Beratung, Vermittlung und Vertrauen statt auf Zwang und können einen wichtigen Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarktes leisten.
Gerade weil Kleinostheim bereits über eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft verfügt, sehen wir hier großes Potenzial. Diese könnte – ganz im Sinne des SPD-Antrags – eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von Leerständen und der Vermittlung zwischen Eigentümern und Wohnungssuchenden übernehmen.
Unser Ziel ist deshalb, das Thema „Wohnraum schaffen“ grundsätzlich und ohne parteipolitische Scheuklappen zu diskutieren – beispielsweise im Rahmen eines Workshops mit externen Fachleuten.
Einen sehr inspirierenden Vortrag durfte ich vor zwei Jahren in Lohr besuchen. Dort zeigte der Wohnwendeökonom Dr. Daniel Fuhrhop eindrucksvoll auf, wie sich Wohnraum schaffen lässt, ohne neue Flächen zu versiegeln. Sein Ansatz des „unsichtbaren Wohnraums“ beschäftigt sich z. B. mit der Frage: „Die Kinder sind ausgezogen, das Haus ist zu groß geworden – was tun mit dem ungenutzten Platz?“ Die Antworten reichen von Einliegerwohnungen über Wohnungsteilungen und generationenübergreifendes Wohnen bis hin zu kommunalen Vermittlungsangeboten. Nach seinen Untersuchungen könnten durch eine bessere Nutzung des vorhandenen Gebäudebestands bundesweit jährlich erhebliche Wohnraumreserven aktiviert werden – zusätzlich zu den Möglichkeiten des Neubaus.
Wir sind überzeugt: Die Lösung der Wohnungsfrage liegt nicht in einem Entweder-oder.
Wir brauchen sowohl Neubau als auch die konsequente Aktivierung vorhandener Wohnraumreserven. Deshalb sollten wir alle Möglichkeiten nutzen, um mehr bezahlbaren Wohnraum in Kleinostheim zu schaffen.

Olav Dornberg,
Ortsverband-Sprecher, Gemeinderatsmitglied (seit 1.5.2026)
olav.dornberg@gruene-kleinostheim.de
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