Wenn man mit offenen Augen durch Kleinostheim geht, dann erkennt man sofort: Unsere Bäume haben ein Problem!
Bäume sind ein wesentlicher Bestandteil einer lebenswerten Gemeinde. Sie prägen das Ortsbild, verbessern die Luftqualität, spenden Schatten, reduzieren die sommerliche Wärmebelastung durch Verdunstungskühlung, speichern Kohlendioxid, fördern die Biodiversität und leisten einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Gerade in dicht bebauten Siedlungsbereichen stehen Bäume jedoch unter erheblichem Stress. Zu den Belastungen gehören Bodenverdichtungen, versiegelte Flächen, eingeschränkte Wurzelräume, Streusalz, Immissionen des Straßenverkehrs sowie Bodenkontaminationen. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels mit häufiger auftretenden Hitze- und Trockenperioden, aber auch zunehmenden Starkregen- und Sturmereignissen. Diese Entwicklungen gefährden die Vitalität des kommunalen Baumbestandes und führen vermehrt zu Ausfällen.
Vor diesem Hintergrund ist eine langfristige und strategische Planung des kommunalen Baumbestandes erforderlich. Ein Stadtbaumkonzept dient als zentrales Instrument, um den vorhandenen Bestand zu sichern, klimaresilient weiterzuentwickeln und zukünftige Pflanzmaßnahmen auf eine fachlich fundierte Grundlage zu stellen.
Dabei sollten insbesondere folgende Grundsätze berücksichtigt werden:
1. Standortgerechte Baumartenwahl
Die Auswahl geeigneter Baumarten muss sich konsequent an den jeweiligen Standortbedingungen orientieren. Bodenbeschaffenheit, Wasserverfügbarkeit, Trockenheits- und Hitzetoleranz, Salzverträglichkeit sowie der verfügbare Wurzelraum müssen bei Neu- und Ersatzpflanzungen berücksichtigt werden. Nur standortgerechte Bäume können dauerhaft vital bleiben und ihre vielfältigen ökologischen Funktionen erfüllen.
2. Erhöhung der Artenvielfalt
Ein vielfältiger Baumbestand ist widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten, Schädlingen und den Folgen des Klimawandels. Monostrukturen sollten daher vermieden werden. Stattdessen ist ein breites Spektrum unterschiedlicher Baumgattungen und -arten anzustreben, um Ausfallrisiken zu minimieren und die ökologische Stabilität des Bestandes langfristig zu sichern.
Inhalte eines Stadtbaumkonzeptes:
Grundlage des Konzeptes sollte eine systematische Analyse und Bewertung des vorhandenen Baumbestandes sein. Hierfür bietet sich die Einführung eines digitalen Baumkatasters an, das Informationen über Baumart, Alter, Vitalität, Standortbedingungen und Pflegebedarf enthält.
Darauf aufbauend können unter anderem folgende Inhalte entwickelt werden:
– Bewertung des aktuellen Baumbestandes und Identifikation von Handlungsbedarfen,
– Empfehlungen für klimaangepasste Zukunftsbäume in unterschiedlichen Siedlungsbereichen,
– Prioritäten für Neu- und Ersatzpflanzungen,
– Maßnahmen zur Vergrößerung von Baumgruben und Verbesserung der Wurzelräume,
– Möglichkeiten zur Entsiegelung versiegelter Flächen zugunsten gesunder Baumstandorte,
– Pflege- und Entwicklungsstrategien für Bestandsbäume,
– Leitlinien für zukünftige Straßen- und Freiraumplanungen.
Vorbild anderer Kommunen
Mehrere Kommunen haben bereits erfolgreich Stadtbaumkonzepte entwickelt. Als Vorreiter gilt die Stadt Jena, deren Konzept neben baumbiologischen und gestalterischen Aspekten insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels auf den kommunalen Baumbestand berücksichtigt und konkrete Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Stadträume entwickelt.
Auch für Kleinostheim bietet ein solches Konzept die Chance, den vorhandenen Baumbestand langfristig zu sichern, zukünftige Investitionen zielgerichtet zu planen, Kosten für Ersatzpflanzungen zu reduzieren und die Gemeinde klimaresilient weiterzuentwickeln.
Ein kommunales Stadtbaumkonzept stellt somit einen wichtigen Baustein der kommunalen Klimaanpassung sowie einer nachhaltigen Ortsentwicklung dar und schafft zugleich eine transparente Entscheidungsgrundlage für zukünftige Pflanz- und Pflegemaßnahmen.
Einordnung in die Klimaanpassungsstrategie
Die Erarbeitung eines kommunalen Stadtbaumkonzeptes entspricht den Zielen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) sowie der darauf aufbauenden Deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel 2024. Darin werden naturbasierte Lösungen, insbesondere die Stärkung des Stadtgrüns, als zentrale Maßnahmen zur Anpassung an zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen hervorgehoben. Kommunen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da sie durch eine vorausschauende Grünflächen- und Freiraumplanung die Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger nachhaltig sichern können.
Auch die Ziele des Bayerischen Klimaanpassungsgesetzes (BayKlAnG) werden durch ein kommunales Stadtbaumkonzept unterstützt. Das Gesetz verfolgt das Ziel, die Widerstandsfähigkeit Bayerns gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken und die Klimaanpassung als dauerhafte Aufgabe auf allen staatlichen Ebenen zu verankern. Gemeinden sollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Maßnahmen entwickeln, die insbesondere die Auswirkungen zunehmender Hitze, längerer Trockenperioden und häufiger Starkregenereignisse mindern. Ein strategisch entwickelter und klimaresilienter Baumbestand leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Fördermöglichkeiten
Für die Erstellung eines Stadtbaumkonzeptes sowie für dessen spätere Umsetzung sollten geeignete Förderprogramme des Bundes und des Freistaats Bayern geprüft werden. Insbesondere Programme zur kommunalen Klimaanpassung, zur Förderung natürlicher Klimaschutzmaßnahmen sowie der Städtebauförderung unterstützen Investitionen in klimaresiliente Grünstrukturen, die Pflanzung klimaangepasster Baumarten, die Entsiegelung von Flächen sowie die Verbesserung von Baumstandorten. Die Verwaltung wird daher gebeten, im Zuge der Konzepterstellung geeignete Fördermöglichkeiten zu identifizieren und entsprechende Förderanträge vorzubereiten.
Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat der Gemeinde Kleinostheim beschließt die Erarbeitung eines kommunalen Stadtbaumkonzeptes als strategische Grundlage für den langfristigen Erhalt, die Pflege und die klimaangepasste Entwicklung des gemeindlichen Baumbestandes.
Die Verwaltung wird beauftragt, den vorhandenen Baumbestand systematisch zu erfassen und zu bewerten, bis spätestens Mai 2027 sowie die Einführung bzw. Weiterentwicklung eines digitalen Baumkatasters zu prüfen, auf Grundlage dieser Bestandsanalyse ein Stadtbaumkonzept, bis spätestens Oktober 2027 zu erstellen oder erstellen zu lassen, Empfehlungen für klimaangepasste Neu- und Ersatzpflanzungen sowie für die Verbesserung von Baumstandorten, bis Mai 2027, zu erarbeiten, geeignete Förderprogramme des Freistaates Bayern sowie des Bundes für die Erstellung des Konzeptes und dessen Umsetzung zu prüfen und nach Möglichkeit zu beantragen, das Konzept dem Gemeinderat zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.
