Was ist das Gegenteil von „Best Practice“?

Der Schulhof der ehemaligen Brentanoschule in Kleinostheim wurde neu gestaltet. Doch anstatt – wie vielerorts inzwischen üblich – die investierten Mittel von immerhin über einer halben Million Euro in mehr Grün, Bäume und ein klimaangepasstes Schulgelände zu investieren, entstand erneut eine weitgehend versiegelte und naturferne Fläche.

Bereits im vergangenen Jahr kritisierte die Ortsgruppe des BUND Naturschutz diese Planung in einer Petition, die von über 400 Kleinostheimer Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet wurde:

„Wir sagen: So darf die Zukunft unserer Kinder nicht gestaltet werden! Unser Wunsch: Wir fordern eine überarbeitete, ökologische und finanzierbare Planung, die auf Begrünung und natürliche Beschattung setzt – ohne den sozialen Nutzen der Fläche zu vernachlässigen. So schaffen wir einen Pausenhof, der Kindern Freude macht, das Klima schützt und verantwortungsvoll mit unseren Steuermitteln umgeht. Und einen Ort, der für jede Generation nutzbar ist.“

Leider blieb diese Forderung unberücksichtigt. Das Konzept mit großflächigen Asphaltflächen, Kunststoffhügeln und lediglich drei neu gepflanzten Bäumen wurde umgesetzt.

Am 4. August 2026 führten wir um 16 Uhr Messungen der Oberflächentemperaturen durch. Die Asphaltflächen erreichten rund 50 °C – ein hoher Wert, auch wenn wir auf dem alten Belag im Jahr 2025 sogar 57 °C gemessen hatten. Besonders problematisch waren jedoch die gelben Kunststoffhügel: Hier wurden Oberflächentemperaturen von bis zu 64 °C gemessen. Das hat auch uns geschockt!

Dabei wurde bereits im Vorfeld auf Förderprogramme zur Entsiegelung, auf die Bedeutung von Klimaanpassungsmaßnahmen und auf Konzepte wie das Schwammstadtprinzip hingewiesen. Dennoch setzte sich das jetzige Konzept durch und wurde schließlich realisiert.

Spätestens nach dem Sommer 2026 sollte deutlich geworden sein, dass diese Entscheidung nicht zukunftsfähig war. Klimaanpassung muss künftig bei jeder baulichen Planung von Anfang an mitgedacht werden – nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als selbstverständlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Ortsentwicklung.


1. Deutsche Umwelthilfe (DUH): Naturnahe und klimaangepasste Schulhöfe

Die DUH gilt derzeit als eine der wichtigsten Organisationen zu diesem Thema und begleitet bundesweit Schulhofprojekte.

Besonders empfehlenswert ist der aktuelle Handlungsleitfaden. Er nennt vier zentrale Bausteine moderner Schulhöfe:

  • 🌳 Begrünung und natürliche Beschattung
  • 🌼 Förderung der Biodiversität
  • 💧 Entsiegelung und Bodenschutz
  • 📚 Schulhof als Lern- und Naturraum

Leitfaden (PDF):
Handlungsleitfaden „Der Weg zum naturnahen, klimaangepassten Schulhof“

Außerdem gibt es zahlreiche Praxisbeispiele:

DUH – Naturnahe Schulhöfe bundesweit

Die DUH betont ausdrücklich, dass viele Schulhöfe heute noch „graue Asphaltwüsten“ sind und stattdessen klimaresiliente, biodivers gestaltete Außenräume entstehen sollten. (Deutsche Umwelthilfe e.V.)


2. Umweltbundesamt (UBA): Gute Praxis der Klimaanpassung

Das Umweltbundesamt sammelt deutschlandweit vorbildliche Projekte.

Besonders interessant sind Beispiele wie

  • Belgershain (klimastarker Schulhof)
  • Mission #CoolSchool Berlin
  • weitere Schulhofprojekte mit Entsiegelung, Schatten und Regenwassermanagement.

Hier kann man nach Bundesland oder Thema filtern:

UBA-KomPass Tatenbank – Gute Beispiele der Klimaanpassung


3. Paris: „Oasis Schoolyards“

International gilt das Pariser Oasis-Projekt inzwischen als Vorbild.

Dort werden Schulhöfe konsequent umgebaut:

  • Asphalt wird entfernt
  • zahlreiche Bäume gepflanzt
  • Regenwasser versickert vor Ort
  • Schatten statt Hitzeinseln
  • Schulhöfe dienen gleichzeitig als kühlende Aufenthaltsorte für die Nachbarschaft.

Die wissenschaftliche Auswertung beschreibt die Maßnahmen sehr gut. (arXiv)


4. Bewegungsfreundliche Schulhöfe

Auch Sport- und Bildungsplaner kommen zum gleichen Ergebnis:

Moderne Schulhöfe sollen

  • abwechslungsreich sein,
  • natürliche Geländestrukturen besitzen,
  • viel Grün enthalten,
  • unterschiedliche Bewegungsangebote schaffen

– statt großer, monotoner Asphaltflächen.

Institut für Kooperative Planung – Bewegungsfreundlicher Schulhof


Fazit:

Im DUH-Leitfaden heißt es sinngemäß:

„Schulhöfe können so viel mehr sein als graue Asphaltwüsten.“

Die empfohlenen vier Leitprinzipien sind:


Wenn man die heutige Fachliteratur betrachtet, gelten als Best Practice:

✅ möglichst viele Bäume
✅ Entsiegelung statt zusätzlicher Versiegelung
✅ natürliche Beschattung statt Kunststoffspielgeräte in der Sonne
✅ Regenwasserversickerung (Schwammstadtprinzip) *
✅ naturnahe Spielbereiche statt überwiegend Asphalt
✅ Beteiligung von Kindern, Lehrkräften und Eltern an der Planung. (Deutsche Umwelthilfe e.V.)
* Hinweis: zumindest konnte die von den GRÜNEN beantragte Regenwasserzisterne für das Dachwasser der Schule durchgesetzt werden

Gerade vor diesem Hintergrund fällt auf, dass ein Schulhof mit großflächigem Asphalt, wenigen Bäumen und stark aufheizenden Kunststoffelementen nicht dem aktuellen Stand der Empfehlungen vieler Fachverbände und Klimaanpassungsprogramme entspricht.

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