Was will das Volksbegehren „Artenvielfalt“

Das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ will die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten erhalten und dafür das Bay-erische Naturschutzgesetz ändern.

Aber was genau soll in Zukunft rechtlich geregelt werden? Hier eine Zusammenfassung unseres Sprechers Dr. Helmut Siegert (Hobby-Imker):

Der Unterstützerkreis für das Volksbegehren umfasst in Bayern mitt-lerweile mehr als 100 Organisationen, wie ÖDP, LBV, Die Grünen, Bund Naturschutz in Bayern e.V., die SPD oder die Bayerische Im-kervereinigung. Vor kurzem hat sich auch für den Landkreis Aschaf-fenburg ein Aktionsbündnis gegründet. Mehr Infos unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de oder an unseren

Biotopverbünde schaffen
Das Problem: Die einzelnen Lebensräume (Biotope) sind in Bayern nicht mehr miteinander verbunden. Siedlungen, Straßen und Acker-landschaften schlagen tödliche Schneisen, die für die meisten Arten unüberbrückbar sind. Inzucht ist die Folge. die Tiere werden krank und sterben. Deshalb fordert das Volksbegehren zusammenhän-gende Lebensräume, sogenannte Biotopverbünde. Der Freistaat Bayern soll einen Biotopverbund schaffen, der bis zum Jahr 2023 mindestens 10 Prozent und bis zum Jahr 2027 mindestens 13 Prozent der unbebauten und unbewaldeten Landesfläche (Offenland) umfasst.

Nachhaltige Ausbildung von Landwirten
Die Agrar-Förderungspolitik und auch die Ausbildung junger Land-wirte ist seit Jahrzehnten falsch ausgerichtet. Statt das überlieferte bäuerliche Wissen über ökologische Zusammenhänge zu lernen, ist die Ausbildung auf Ertrag, Effizienz und „Smart Farming“ ausge-richtet. Die jungen Bauern und Bäuerinnen lernen zwar alles über die chemische und mechanisierte Landwirtschaft, aber sie lernen wenig über die Folgen und die Risiken für Mensch und Natur. Die für den Artenreichtum wichtigen Faktoren wie Pestizidausbringung, Stickstoffeintrag, Schlaggrößen und Fruchtfolge sollen in Zukunft möglichst bereits in der Ausbildung berücksichtigt werden.

Schwerpunkte (Teil 2)

„Von allen Risiken ist es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe schlafwandelt“, warnt Präsident Breude vom Weltwirtschaftsforum, aber die Apokalypse zu prophezeien ist die eine Sache, ihr mit Zuversicht zu begegnen, die andere. Unterstützen Sie daher bitte das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ Es will die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten erhalten und dafür das Bayerische Naturschutzgesetz ändern. Aber was genau soll in Zukunft rechtlich geregelt werden? Zwei weitere Schwerpunkte stellen wir Ihnen heute vor:

Mehr Transparenz

Gefordert wird, dass der Landtag jährliche Statusberichte über den Zustand der Arten und der Natur erstellen und veröffentlichen lässt: Landnutzungsentscheidungen („Flächenfraß“) und Flächenbewirtschaftung („intensive, industrielle Landwirtschaft“) haben Auswirkungen auf die Natur. Diese Zustandsveränderungen sind zu erfassen und öffentlich zu machen. Erst ihre Dokumentation ermöglicht es zu prüfen, wie es um das ökologische Gleichgewicht tatsächlich bestellt ist und wie neue Maßnahmen über die Zeit wirken.

Mehr Öko, mehr Bio

Gefordert wird, dass bis 2025 mindestens 20 Prozent der privaten landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Staatliche Agrar- und Forstflächen sollen komplett auf eine ökologische und nachhaltige Nutzung umgestellt werden, da die Bio-Landwirtschaft die Natur sehr viel besser als die konventionelle schont: So ist die Vielfalt von Ackerwildkräutern auf ökologisch bewirtschafteten Flächen bis zu neunmal höher (WWF).

Unter dem Druck der landwirtschaftlichen Industrialisierung (verbunden mit massenhaftem Einsatz von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln und immer größeren Äckern und Monokulturen) hat ein massives Sterben kleiner Höfe eingesetzt. Erfreulicherweise ist aber die Tendenz im Ökolandbau leicht steigend, dank der gestiegenen Nachfrage nach Bio-Produkten – wobei es aber auch konventionell wirtschaftende Bauern gibt, die sich Gedanken zum Thema Insektensterben machen und nach Wegen suchen, um die biologische Vielfalt zu erhalten.

Zur Umsetzung einer ökologisch verträglichen Landwirtschaft wird aber auch eine Gesellschaft benötigt, die weiß, was verloren geht, dies bedauert und ihr Verhalten ändert: die Leistungen der Natur (trinkbares Wasser, gesunde Böden und Atemluft sowie intakte Lebensräume) gibt es nicht zum Nulltarif. Die (Wieder-) herstellung der Biodiversität ist den Bauern zu honorieren. In diesem Zusammenhang muss auch das System der Agrarsubventionen neu gedacht und angelegt werden.

Volksbegehren Artenvielfalt – machen Sie mit!

Wollen wir die Zukunft unserer Kinder nicht gefährden, müssen wir uns mit den Ursachen des Insektensterbens auseinandersetzen und damit, wie sie schnellstens abgestellt werden können. Das ist wirklich alternativlos!

Schwerpunkte (Teil 3):

Dreiviertel aller Tierarten auf der Erde sind Insekten. Sie nehmen zentrale Funktionen in der Nahrungskette und im Ökosystem unserer Welt ein – unter anderem als Nahrungsquelle oder zur Bestäubung. Auch Vögel sind vom Artenschwund betroffen. Besonders Ackerlandvögel sind in den letzten 30 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Die Lebensgrundlage der Menschheit, die Artenvielfalt wird offensichtlich stiefmütterlich behandelt. Es ist Zeit, das zu ändern.

Mehr Blühwiesen

Eine Hauptursache für den Artenrückgang ist die intensive landwirtschaftliche Bodennutzung unter Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in ausgeräumten Landschaften (das heißt, es fehlen artenreiche Wiesen, Hecken, Bachläufe und prägende Bäume). Durch zu frühes und häufiges Mähen kommt es außerdem zu Hungerperioden. Die Folge: Nicht nur die Insekten sterben, sondern auch die Vögel.

Blühwiesen auf landwirtschaftlichen Flächen wirken dem entgegen, indem sie als Lebensraum für Insekten und als Nahrungsgrundlage für Vögel dienen. Sie werden mit artenreichem Saatgut eingesät und nur eingeschränkt bewirtschaftet. Über Förderprogramme haben Blühflächen und Blühstreifen in Bayern zwar bereits zugenommen, aber das reicht nicht. Mehr der Naturflächen in Bayern müssen in Blühwiesen umgewandelt werden. Denn sie bieten unseren Honigbienen, den Wildbienen und anderen Bestäubern durchgängige und vielfältige Futterquellen.

Weniger Pestizide

Pflanzenschutzmittel sollen die Feldfrüchte vor Viren, Mikroorganismen, Schimmelpilzen und tierischen Schädlingen schützen. Grundsätzlich vernünftig – wenngleich mit bösen Nebenwirkungen: Herbizide, wie das Breitbandherbizid Glyphosat, führen zur Verarmung der Ackerbegleitflora, die vielen Tieren als Nahrung dient.

Insektizide erfassen auch Nützlinge und geschützte Arten an den Ackerrändern. Vor allem die hochtoxischen Neonicotinoide stehen im Zentrum der Kritik, weil ihnen ein erheblicher Einfluss auf den Rückgang von Blütenbestäubern zugeschrieben wird.

Abgesehen von den Schäden für die Biodiversität – eines ist sicher: Gesund für den Menschen (und damit auch für den Bauern) sind Pestizide keinesfalls. Viele stehen im Verdacht, hormonschädigend, erbgutschädigend und krebserregend zu sein. Nach Erkenntnissen von Greenpeace sollten mehr als ein Drittel der in Europa verwendeten Pestizide verboten werden.

Volksbegehren Artenvielfalt – machen Sie mit!

Biologische Vielfalt ist die Grundlage menschlicher Existenz; biologische Einfalt schadet dem Menschen. Papst Franziskus hat 2015 in seiner Enzyklika „Über die Sorge um das gemeinsame Haus“ publiziert: „Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen … Dazu haben wir kein Recht.“ Wollen wir die Zukunft unserer Kinder nicht verspielen, müssen wir handeln. Nehmen Sie daher bitte Ihren Personalausweis und tragen Sie sich zwischen dem 31. Januar und 13. Februar im Rathaus (Zimmer 11)  in die Listen ein.

Mehr Infos unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de o

In Kooperation mit Bund Naturschutz in Bayern e.V., dem Landesverband Bayerischer Imker, dem Landesverband für Vogelschutz und der vhs Aschaffenburg finden in 2019 zahlreiche Veranstaltungen in der Kurs-Reihe „Artenvielfalt“ statt (siehe www.vhs-aschaffenburg/programm; Stichwort „Artenvielfalt“)

Als Literaturquelle sei empfohlen A.H.Segerer/E.Rosenkranz „Das große Insektensterben“. Das Buch erläutert die Zusammenhänge und zeigt auf, was jeder leisten kann, damit die Welt nicht verstummt – sei es durch einen insektenfreundlichen Garten oder durch Engagement im eigenen Umfeld.

Dr. Helmut Siegert

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