Volksbegehren „Artenvielfalt“ – Handeln hilft!

23 Prozent der Kleinostheimer haben unterschrieben

…1.745.383 der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger in Bayern sind der Hummel gefolgt und haben sich beim Volksbegehren „Artenvielfalt“ eingetragen; das ist mit 18,4 Prozent ein neuer Rekord!

Hierfür herzlichen Dank an alle, die den Weg in die Rathäuser gefunden und für ihre Unterschrift manchmal lange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten. Hier ein paar Zahlen zwecks Einordnung des kleinostheimer Ergebnisses von 23 Prozent Beteiligung:


Regierungsbezirke:
Mittelfranken:                         20,6 %
Oberbayern:                           20,3 %
Schwaben:                              18,4 %
Unterfranken:                      17,7 %
Oberfranken:                          16,7 %
Oberpfalz:                              15,7 %
Niederbayern:                         13,9 %

kreisfreie Städte/Landkreise:
Aschaffenburg Kreis            19,0 %
Miltenberg Kreis                    19,1 %
Miltenberg Stadt                     16,4 %
Aschaffenburg Stadt               15,8 %
Main-Spessart                         14,6 %  

Mit 23 Prozent Zuspruch liegt Kleinostheim im Kreis auf den 3. Platz – nach Sailauf mit 28 und Johannesberg mit 24,5 Prozent.

Nun müssen Taten folgen

Soweit zum Ergebnis, das uns alle sehr freut. Nun gilt es, dem gut gemeinten Papier gut gemachte ökologische Taten folgen zu lassen – die haben es aber auch ökonomisch in sich, denn sie kosten Geld. Ein Tisch ohne Ecken mag daher ein guter Neuanfang für eine breit angelegte Konsenspolitik sein. Dabei wollen wir voller Hoffnung sein und vergessen, 

  • dass es die CSU war, die den Alpenschutzplan aufweichen wollte, damit im Allgäu ein neuer Skilift gebaut werden kann,
  • dass es CSU-Bundesminister Schmidt war, der im Alleingang das EU-Verbot von Glyphosat torpediert hat,
  • dass in Bayern pro Tag ein Gebiet von fast 17 Fußballfeldern für Siedlungen und Verkehr verbraucht werden,
  • dass seit Jahren die CSU, zusammen mit dem Bauernverband, größere Bauernhöfe bevorzugt – ersichtlich an den Haupt-Empfängern der EU-Subventionen.

Wir dürfen gespannt sein, was am Ende raus kommt. Es wird nicht einfach sein, einen Plan zu entwerfen, wie der Mensch gut leben kann, ohne dabei die Natur massiv zu beschädigen. Ein „so weitermachen wie bisher“ darf es jedenfalls nicht geben, sind doch die Umstände für das Insektensterben mittlerweile gut dokumentiert: Verursacher ist vor allem die intensive, industriell bewirtschaftete Landwirtschaft mit ihren ausgeräumten Agrarflächen.

Bauern brauchen Anreize

„Freiwilligkeit“ hieß in der Vergangenheit das politische Zauberwort, um die Landwirtschaft ökologischer zu gestalten. Doch das Richtige freiwillig zu tun war bislang nicht sehr erfolgreich – sonst gäbe es nicht diesen runden Tisch. Und dennoch: Bauern brauchen Anreize, um Vielfalt zu schaffen. Im „Rat für Biodiversität“ des Agrarministeriums gibt es die Idee, flächenbezogene Direktzahlungen zwar beizubehalten, diese aber nicht mehr nur an die Größe der Fläche zu knüpfen, sondern an Umweltschutzmaßnahmen und an die Vielfalt der Landschaftsstrukturen auf den Betrieben. Das funktioniert über eine „Landschaftsvielfaltsprämie“, eine Zahl, die den  Vielfaltswert für jede landwirtschaftliche Fläche widerspiegelt. Je höher der ökologische Wert, desto mehr flächenbezogene Direktzahlungen dieser Art gibt es. Sie sind unabhängig von der Größe des Betriebes, vielmehr geben sie dem Bauern einen Anreiz, für eine vielfältige Landschaft zu sorgen, in der Artenreichtum entstehen und sich entfalten kann.

Nur so eine Idee? Nein – herkömmliche flächenbezogene Direktzahlungen sind einfach nicht zielgenau. Hierbei besteht die Gefahr, dass für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft zu viel bezahlt wird, d.h. der Staat kauft die ökologischen Leistungen von den Bauern viel zu teuer ab. Zum Beispiel „Greening“, das es seit 5 Jahren in Europa gibt. Dieses Instrument sollte eigentlich zu mehr pflanzlicher Vielfalt auf den Feldern führen, aber die Anforderungen wurden anspruchslos formuliert: die Empfänger mussten auf nur 5 % ihrer landwirtschaftlichen Fläche Änderungen durchführen, um weiterhin Zahlungen zu bekommen. Mithin hat das Greening auf 95 % der Flächen gar keinen Effekt – dafür wird aber mehr als 8 % des EU-Haushaltes ausgegeben.

Eine stärker ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft muss die damit verbundenen ökonomischen Zwänge – sowohl von Zahlungsgeber wie Zahlungsempfänger – ins Kalkül ziehen. Hier muss neu gedacht und noch besser umgesetzt werden. Um es mit den Worten von Willy Brandt zu sagen: „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will…“

Handeln hilft

Bei genauem Hinsehen sind die Interessen von Bauern und Insekten gar nicht so weit auseinander. Biologische Agrarvielfalt zu sichern bzw. zu ihrer Stabilisierung beizutragen – und dazu gehört der Insektenschutz zentral dazu – erscheint uns als logische Perspektive auch für eine ökologisch verträgliche konventionelle Landwirtschaft. Wenn zusätzlich der Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen – private Gärten, öffentlicher Boden – steigt, verbessern sich erheblich die Lebensbedingungen für Insekten.

Im Kleinen wie im Großen besteht dringender Handlungsbedarf. Bundesweit gibt es ein Spektrum an Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen, die sich bereits engagieren. Fangen auch wir in Kleinostheim an … auf unserem grünen Treffen am 22. Februar 2019. Sie sind herzlich eingeladen – denn nur Handeln hilft: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner).

Dr. Helmut Siegert

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