Scheblerstraße als Radschnellweg

Am 17. November hat der Ausschuss „Bauen-Mobilität-Klima“ leider mehrheitlich die Entscheidung getroffen, die Scheblerstraße für den Kraftverkehr nicht zu sperren. In der Diskussion wurden Alternativen wie eine Sperrung nur an Sonn- und Feiertagen mit einer Andienung des Anglersees über die Brücke Hörsteinerstraße angesprochen. Nicht eingegangen wurde aber auf den seit einem Jahr vorliegenden Vorschlag, hier eine Fahrradstraße zu errichten.

Vor kurzem erst wurde eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg Aschaffenburg – Hanau in Auftrag gegeben. Daran hat sich die Gemeinde Kleinostheim über eine Absichtsbekundung (Letter of Intent) und einen finanziellen Beitrag beteiligt.

Was bedeutet eigentlich „Radschnellweg“?

Hier geht es um Routen, die ein direktes und schnelles Vorankommen für den Radverkehr ermöglichen. Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen hat dafür einige Qualitätsstandards definiert. Als mögliche Führungsformen kommen beispielsweise baulich gesonderte Radwege oder Fahrradstraßen innerorts in Betracht. Hier müssten aber dann Entscheidungen über eine mögliche Trasse durch Kleinostheim getroffen werden. Wir sehen die Führung über eine Fahrradstraße eher entlang der Route Rennstraße – Alte Poststraße – Scheblerstraße als mögliche Option. Dies würde weitestgehend eine neue Trasse und den damit einhergehenden Flächenverbrauch vermeiden. Der Mainradweg scheidet unseres Erachtens aus. Ebenso erscheint eine Routenführung durch den Ort als schwierig.

Sachstand Verkehrsentwicklungsplan?

Offen ist das Thema Verkehrsentwicklungsplan (VEP). Hierzu hat die Fraktion in der Gemeinderatssitzung einen Sachstandsbericht eingefordert. Da dies ein bedeutendes Thema ist, wäre es sinnvoll die Gremien und die Bürger zeitig über den Stand der Aufstellung des VEP zu informieren. Hierbei wäre dann ein Radschnellweg als Bestandteil zu sehen. Insofern kommen wir mit der bisherigen Entscheidungslage nicht weiter.

Von einer gut und zügig befahrbaren Radinfrastruktur profitiert nicht nur der Radverkehr. Beim Umstieg auf das Fahrrad reduziert sich umgekehrt der Kraftverkehr. Jedes Rad mehr auf dieser Route wäre ein Auto weniger auf der B 8 oder in anderen Straßen im Ort.

Wie Radschnellwege in der Praxis aussehen (Göttingen, RS1 Ruhrgebiet oder Darmstadt-Frankfurt) und welche qualitativen Anforderungen es gibt, haben wir auf unserer Internetseite dargestellt.

Wie sehen die qualitativen Anforderungen an einen Radschnellweg aus?

Hierfür gelten folgende Anforderungen (lt. FGSV):

  • hohe Direktheit, ohne größere Umwege (Faktor 1,2 als Grenze)
  • sichere Befahrbarkeit auch bei für den Radverkehr hohen Geschwindigkeiten
  • Soweit möglich eine Trennung vom Fußverkehr und Autoverkehr
  • keine Hindernisse auf den Wegen (Poller, Umlaufsperren etc.)
  • steigungsfreies Fahren, maximal 6 Prozent Steigung.
  • mittlere Zeitverluste durch Anhalten und Warten pro Kilometer: innerorts maximal 30 Sekunden, außerorts maximal 15 Sekunden.
  • hohe Belagsqualität, d.h. Beton oder Asphalt und eine ausreichende Breite.

Zusätzlich werden diese Radrouten oft mit großen Piktogrammen wie in Göttingen gekennzeichnet. Mit der neuen Straßenverkehrsordnung seit 2020 gibt es dafür eine gesonderte Beschilderung.

Welche Führungsformen wären für einen Radschnellweg denkbar?

  • Radwege drei Meter breit im Einrichtungsverkehr, vier Meter breit, wenn in beiden Richtungen geradelt wird
  • überbreite Radfahrstreifen mit drei Metern Breite
  • Fahrradstraßen mit vier Metern Restfahrbahnbreite.

Andere Radschnellwege

Ein Radschnellweg Hanau- Aschaffenburg wäre die logische Fortsetzung eines Radschnellweges Frankfurt-Hanau, für welchen eine Machbarkeitsstudie bereits vorliegt.

Der von uns aus nächstliegende Radschnellweg entsteht aktuell zwischen Darmstadt und Frankfurt. Im Bereich Darmstadt – Wixhausen sind die ersten Bauabschniite bereits fertiggestellt. Dabei werden neben einer baulich getrennten Trasse auch Ortsbereiche mit überbreiten Radfahrstreifen durchquert.

Unser Sprecher Tino Fleckenstein ist die bereits fertig gestellten Abschnitte des Radschnellwegs Darmstadt-Frankfurt probegefahren (Siehe Foto bei Wixhausen) und hatte Radreisen zu anderen Radschnellwegprojekten in Deutschland unternommen:

RS1 Ruhrgebiet

Zwischen Mühlheim und Essen besteht bereits der erste Teil des RS 1, der dann bis Hamm im Osten weitergeführt werden soll. Dieser hätte dann eine Gesamtlänge von ca. 120 Kilometern. Teilweise wird dieser auf einer ehemaligen Bahntrasse geführt. Er bindet heute bereits direkt die Universität in Essen an.

eRadschnellweg Göttingen

Der eRadschnellweg in Göttingen verbindet den Hauptbahnhof mit der Universität und wichtigen Arbeitgebern in der Stadt, unter anderem dem Klinikum. Auf diesem Radschnellweg wurde mit intelligenten Ampelschaltungen eine Beschleunigung für den radverkehr erreicht. In Göttingen wird der Radschnellweg über Fahrradstraßen, eine Busspur und baulich getrennte Radverkehrsanlagen geführt.

FR1 – Freiburg

In Freiburg, welches bereits einen hohen Radverkehrsanteil hat werden zentrale Radrouten definiert, welche den Standards für Radschnellwege sehr nahe kommen. Zentral ist hierbei die weitgehend kreuzungsfreie Führung. Zu nutze kommt dem die tiefergelegte Lage entlang der Breisach.

1 Kommentar

  1. Olav Dornberg

    Das wäre ein Traum. Die Straßen wären dann auch freier, weil viel mehr Leute mit dem Rad unterwegs wären (auch für tägliche Routen).
    Wenn man mal in Holland unterwegs war oder z. B. in der „Tatort“-Stadt Münster, der erkennt den Vorteil für alle.
    In Müster gab es z. B. eine Fahrradstraße komplett von Außerhalb ins Zentrum. Auch KFZ konnten dort fahren, aber es waren hauptsächlich Fahrradfahrer.
    Unvorstellbar, wenn diese Menge an Radfahrern einen PKW benutzen würden …
    Hoffentlich erkennen wir bald die Vorteile einer guten Rad-Infrastruktur.
    Da haben alle was davon, z. B. auch die Anwohner an der B8, die weniger Verkehrslärm hätten …

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