Klimaschutz spart Geld

Man hört oft die Aussage: „Klimaschutz ist teuer!“ Richtiger wäre: Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Natürlich muss man für Klimaschutz Geld in die Hand nehmen. Aber dieses Geld bewegt viel mehr, als „nur“ die Umwelt zu schützen. Dies gilt im Privaten wie für eine Kommune.


Neue Arbeitsplätze
Die Sanierung von Gebäuden oder die Installation einer Photovoltaik-Anlage werden zum Großteil durch Handwerksbetriebe aus der Region ausgeführt. Das schafft hier Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Wir reden hier über deutlich mehr Arbeitsplätze als im Moment. Denn sowohl die Sanierungsquote als auch die Zubaurate bei der Photovoltaik müssen mehr als verdoppelt werden, um die von Deutschland beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Wie so ein Vorhaben in richtig ambitioniert aussieht, kann man beim Wuppertal Institut nachlesen.


Mehr Wirtschaftskraft
Somit entsteht mehr Kaufkraft vor Ort, und die lokalen Gewerbebetriebe können mehr verkaufen.
Die Steuereinnahmen durch Gewerbesteuer, die direkt an die Gemeinde fließt, steigen. Wenn mehr Kundschaft kommt, braucht das Gewerbe auch mehr Mitarbeiter*innen. Sie wohnen dann meist auch in der Umgebung und geben ihr Geld somit auch wieder hier aus.
All dies steigert deutlich die Wirtschaftskraft einer Region.
Geld für Benzin, Diesel oder Erdgas fließt aus der Region ab, teils ins Ausland und kann hier keine positiven wirtschaftlichen Effekte bewirken. 2011 waren das für die Region Bayerischer Untermain 1,5 Mrd. Euro pro Jahr (Siehe S. 7 des verlinkten Dokuments). Die Zahlen haben sich seitdem mit Sicherheit verändert, die Größenordnung jedoch nicht. Wie kann dieses Geld hier bleiben?


Effektiv planen
Am Effektivsten ist natürlich, nicht hier mal eine Kleinigkeit zu machen und dann da mal was und an der Ecke noch was anderes. Besser ist es, wenn sich die Maßnahmen nach einem Plan (Istzustand-Sollzustand) richten. Planungswerkzeuge wie den Energienutzungsplan und Kommunale Wärmeplanung oder Klimaschutzkonzepte habe ich im vorhergehenden Artikel schon genannt. Es gibt auch etliches an Fördermöglichkeiten.


Gemeindewerke erweitern
Daneben können die Gemeindewerke erweitert werden, so dass sie Stromlieferant für die Bürger*innen vor Ort werden. Auch das Stromnetz können Gemeindewerke betreiben, so wie es Großkrotzenburg macht. Da unsere Gesellschaft immer mehr auf Strom als Energieträger ausgerichtet wird (z.B. E-Autos, Wärmepumpen, Herstellung von grünem Wasserstoff), ist das wichtig für die Zukunft.

Die Gemeindewerke können also das Geld der Bürger*innen für die Bürger*innen verwenden und sind nicht Aktionärsinteressen unterworfen. Auch müssen sie bei der Planung des Netzes nicht nur auf Gewinninteressen der Firmen achten, sondern können das angehen, was für uns vor Ort wichtig ist.
Nachbargemeinden könnten solche Gemeindewerke zusammen gründen oder man schließt sich mit schon bestehenden Gemeindewerken zusammen, z.B. in Kahl und Alzenau.


Zuschüsse für Bürger*innen
Auch die Bürger*innen können unterstützt werden, um selbst aktiv zu werden. In Karlstein gibt es für Bürger*innen, die eine Wärmepumpe einbauen, eine Wallbox installieren oder sich eine Solaranlage auf das Dach des Hauses bauen lassen, Zuschüsse von der Kommune. Natürlich regt das den Zubau solcher Anlagen an, es hilft aber damit auch direkt der regionalen Wirtschaft und dem Klimaschutz.
Es wird Zeit, dass wir dieses Potenzial bei uns vor Ort und in der ganzen Region strukturiert und gemeinsam nutzen.


Also: „Klimaschutz kostet Geld“. Ja, um etwas zu starten, planen und umzusetzen. Am Ende aber profitieren alle davon: die Bürger*innen, die Wirtschaft und die Umwelt.

Aktuelle Ergänzung: Ein Artikel vom 03.12.2020 aus dem Spiegel zeigt auch für den Green Deal der EU, dass die Kosten für Durchschnitts-Haushalt nicht steigen. Die Studie ist von McKinsey und somit unverdächtig, einseitig auf die Zahlen geschaut zu haben. Dies deckt sich aber mit einer Studie aus 2019, die den Energie-Sektor angeschaut hatte.


Benjamin Brand

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