Klimakrise und Unwetter

Ich schreibe diesen Artikel gerade ziemlich traurig, aber auch mindestens so sauer! Traurig wegen der Toten und der Menschen im Katastrophengebiet, die soviel verloren haben. Sauer, weil die Fakten seit mindestens 30 Jahren bekannt sind und die Regierungen seitdem viel zu wenig gemacht haben in Sachen Klimaschutz.
Die Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aber auch die Starkregenereignisse in Bayern sind vom Menschen mit verursacht. Von uns, unserer Art zu Leben und auch den politischen Rahmenbedingungen.

Wie kam es nun zu der Situation im Westen Deutschlands?
Wenn die Luft 1 Grad wärmer ist, kann sie 7 Prozent mehr Wasser aufnehmen. Sprich: Es kann viel stärker/mehr regnen. Auch die Ozeane sind wärmer geworden und geben somit mehr Wasserdampf an die Luft ab. Das sind Folgen der Klimakrise.
Der Jetstream, der sich normalerweise in einer stark wellenförmigen Bewegung um die Arktis „schlängelt“, schwächelt, da die Arktis sich deutlich stärker erwärmt als die weiter südlich liegenden Gebiete. Hierdurch werden die Temperaturunterschiede, die den Jetstream mit antreiben, geringer und somit auch der Jetstream. In Folge dessen bewegen sich Luftmassen nicht mehr so schnell und es kommt nicht, wie früher in Deutschland im Sommer üblich, zu einem häufigen Wechsel von Hochs und Tiefs, sondern eine Wetterlage bleibt lange bestehen. Auch das ist eine Folge der Klimakrise.
Die beständige Wetterlage war nun auch beim jüngsten Unwetter zu sehen. Das Tief zog nur sehr langsam weiter und hat sehr viel Regen gebracht, der auf ein relativ kleines Gebiet gefallen ist. Der Grund: Eine Luftströmung hat warme, feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum gebracht, die andere Luftströmung kältere aber auch feuchte Luft vom Atlantik . Das ist jetzt der „Wetter-Anteil“ an dem Unwetter. Man sieht also: Wetter und Klima sind verzahnt, man kann nicht sagen: „Dieses Unwetter war ein einfaches Unwetter und das andere kam nur durch den Klimawandel.“ Es spielt immer Verschiedenes mit rein.
Das Extremwetter häufiger werden, kann man im IPCC-Bericht von 2019 (Kapitel 2.2.5.3) nachlesen oder beim PIK. Aber auch die Versicherungswirtschaft sagt, dass es laut Statistik mehr wird. Zum Wetter/Klima kommen noch Flächenversiegelung und Regenwassermanagement hinzu. Diese Themen würden aber den Artikel sprengen, daher dies nur am Rande.

Wir haben hier in der Region fast jedes Jahr Wetterextreme: Hochwasser, Starkregen, Extremhitze, Dürre und Stürme.
All diese Phänomene gab es schon immer, in unseren gemäßigten Breiten aber eben nur hin und wieder und auch nicht in der jetzigen Stärke.

Hier ein paar Fälle der letzten Jahre aus unserer Region:
2017 Starkregen mit großen Schäden in Mömbris und im Kahlgrund.
2018 Sturm in Großostheim und Hitzesommer, mit großer Trockenheit und Dürre sowie hoher Übersterblichkeit
2019 Sturm bei Alzenau und Kahl, Temperaturrekord für Bayern, 40,4°C in Kahl im Juli und Hitzesommer mit Trockenheit und Dürre
2020 in der Region kein extremes Ereignis, der August war jedoch viel zu heiß, es kam zu Übersterblichkeit
2021 Kleinostheim direkt vom Starkregen betroffen, Mömlingen hat es noch deutlich schlimmer erwischt.

Die Klimakrise ist da. Wir müssen endlich handeln und zwar jetzt und nicht erst in 5 oder 10 Jahren!
Die Union hat im Bund wie in Bayern effektiven Klimaschutz bisher eher verhindert als befördert (mehr dazu in einem späteren Artikel).
Als Dr. Andrea Lindholz am Dienstag in Kleinostheim war, habe ich sie auf Klimawandel, erneuerbare Energien und die Rolle der Union angesprochen. Natürlich sah sie es anders als ich. Aber sie hat viel von Förderung und Innovationen gesprochen, die die Union anstoße, damit die Energiewende gelingen kann.
Das Problem: Es wird immer auf Innovationen in der Zukunft gehofft, mit denen es dann gelingen soll. Doch dabei geht viel Zeit verloren.
Denn wir haben längst alles was wir brauchen, um bei der Klimakrise gegenzusteuern. Wir können Bayern, Deutschland und Europa, ja sogar die Welt, komplett auf erneuerbare Energien umstellen – mit der Technik, die heute schon bekannt ist! Natürlich freue ich mich über Innovationen, die dabei helfen und es einfacher/schneller/billiger machen. Aber daran fehlt es nicht in erster Linie. Was fehlt, ist der politische Rahmen und der Wille, das Ganze jetzt umzusetzen. Eins ist klar: Es kann nicht 1 zu 1 weitergehen wie bisher. Die Union versucht mit Hinausschieben und Hoffen auf Innovationen zu umgehen, den Menschen erklären zu müssen, dass sie ihre Lebensgewohnheiten jetzt verändern müssen. Aber keine ernsthaften Konsequenzen ziehen, das führt zu hohen Belastungen für Staat, Wirtschaft und Bürger!
Die Klimakrise ist kein politisches Thema. Sie beruht auf Naturgesetzen die nicht verhandelbar sind. Wir können sie nur akzeptieren wie sie sind.
Was wir machen können ist, mit klarer, langfristiger Politik einen Rahmen zu geben. Sowohl für die Bürger*innen als auch für die Wirtschaft.
Klimaschutz ist Heimatschutz und Bewahrung der Schöpfung – auch für unsere Kinder und Enkel.

Benjamin Brand – Sprecher AK Kommunale Energiewende
benjamin.brand@gruene-kleinostheim.de

Links zum Weiterlesen:
Spiegelbericht Extremregen und Klimawandel
Klimamodel und Messdaten zeigen die Klimaerwärmung
Versicherer sagen, dass es mehr Extremwetter gibt
Starkregen in Deutschland
Hitzetote in Deutschland
Hitzetote in Deutschland 2018
Hohe Kosten der Klimakrise

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