Bericht zur Infoveranstaltung „Flächenfraß stoppen“ mit Christian Zwanziger (Geograf und MdL)

„Und Sonntags spazieren wir dann eben durchs Gewerbegebiet…“    

So, oder so ähnlich könnte es aussehen, wenn wir es nicht schaffen unsere Natur zu erhalten und den Flächenfraß nicht verhindern.

Am 14. Februar besuchte Christian Zwanziger, Geograf und Mitglied des bayerischen Landtags von Bündnis 90 / Die Grünen, auf Einladung des Kreisverbandes unseren Landkreis. Unser Ortsverband Großostheim gestaltete vor Ort diesem spannenden Vortragsabend. Bei gefüllten Plätzen begrüßte Dagmar Sonnenberg (Sprecherin) das bunt gemischte Publikum. Thomas Bechtloff, Mandatsträger der Jungen Liste Bachgau, erklärte in einer kurzen Ansprache, dass die Anzahl der Einwohner*innen in Großostheim in den letzten 60 Jahren um 50% gestiegen sei. Die Fläche, die dafür versiegelt wurde, liegt allerdings beim sechsfachen. „Es lastet ein gewaltiger Druck auf den freien Flächen!“ Eine kurze Präsentation durch Dagmar macht klar, wie viel Fläche alleine durch Parkplatznutzung gepflastert wird, wobei schnell deutlich wird, dass es hier vor Allem darum geht, es dem Auto so bequem, wie möglich zu gestalten. Barrierefreie Zugänge zwischen einzelnen Parkplätzen sind Fehlanzeige und Schutzzonen für Fußgänger*innen ebenfalls. Das Thema der geplanten Ortsumgehung Pflaumheim beschäftigt die Menschen hier ja nun schon eine ganze Weile, zudem ist die Zahl von 11,6 Hektar Flächenverbrauch und die Einschnitte im Umlandgrün wirklich schwer zu ertragen.

Können wir uns diesen Verbrauch von Flächen so eigentlich noch leisten? Kreissprecher Volker Goll kritisierte das Freiwilligkeits-Dogma von CSU und Freien Wählern in der Landesregierung: „Freiwilligkeit bedeutet nichts anderes, als, das interessiert uns nicht, da unternehmen wir einfach nichts!“

Christian Zwanziger stieg dann sofort ins Thema ein, in dem er die Veranstaltungsbesucher raten ließ. „Wie viel Fläche meint ihr haben wir im Jahr 2018 in Bayern versiegelt?“ Es sind circa 4000 Hektar – so viel, wie Mainaschaff, Stockstadt und Kleinostheim zusammen. In einem einzigen Jahr und nur in Bayern.

Den Flächenverbrauch pro Tag bayernweit auf maximal 5 Hektar zu begrenzen, ist daher ein klares Ziel auf Landesebene. Glücklicherweise ist statistisch betrachtet eine gewisse Abnahme zu erkennen. Dennoch ist die Diskrepanz zwischen Siedlungs- und Verkehrsflächen alarmierend, da die Spanne zur Einwohner*innenzahl immer weiter auseinander läuft. Die ganz großen Verlierer sind an dieser Stelle Äcker und Felder. Und was das bedeutet, sollte jedem klar sein.

Das freiwillige Bündnis Flächensparen war ein Ansatz, aber so richtig gut läuft es eben nicht. Deshalb muss der Flächenverbrauch in Bayern ganz verbindlich begrenzt werden. Doch bis auf Landes- oder gar auf Bundesebene etwas passiert, müssen Gemeinderätinnen und -räte ja dennoch handeln. Was kann also in den Kommunen getan werden? In Gewerbegebieten sollten Parkflächen anders gedacht werden, wir müssen in die Höhe gehen, nicht nur in die Fläche, also mehrstöckig denken. Selbes gilt für Gebäude. Die Ortskerne zu verdichten ist wohl in den meisten Gemeinden auch schon angekommen und läuft zum Teil ja sogar schon gut an. Besitzern müssen bessere Anreize geboten werden, mehr Beratung muss stattfinden – die Gemeinden haben hier eine Verantwortung. Steingärten können im übrigen durch Festschreibungen in Bausatzungen auch eingedämmt werden.

Insgesamt war der Abend super motivierend und hat viele erschreckende, aber auch wirklich interessante Fakten geliefert. Wie in so vielen Themenbereichen gilt auch hier, dass sich Gemeinden besser vernetzen müssen, über den Tellerrand nicht nur drüber schauen, sondern ihn auch benutzen sollten.

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