Meine Wege, deine Wege – Wie geschlechtergerecht ist die Stadt- und Mobilitätsplanung?

Beitrag zur Tagung der bayerischen Grünen


Während es bei der gesellschaftlichen Gleichstellungsdiskussion oft um Themen wie gleiche Bezahlung oder Lebensbedingungen geht, gibt es einen Themenkreis des täglichen Lebens in dem die Lebenswirklichkeit von Frauen anders aussieht als von Männern: die alltägliche Mobilität. Hierzu fand am Samstag anlässlich des internationalen Frauentages eine Tagung der Bayerischen Grünen statt. Als Referentinnen waren unter anderem Tessa Ganserer, Vereny Osgyan, beides Landtagsabgeordnete der Grünen, Uta Bauer vom Deutschen Institut für Urbanistik in der Videokonferenz dabei. Was sind die Fakten?

  • Rund 62 % der Autos gehören Männern und werden auch von diesen gefahren. Bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs hingegen dominieren Frauen.
  • Die tägliche Wegstrecke (MiD Deutschland 2018) liegt bei Männern bei 46 km und bei Frauen bei 33 km.
  • Frauen leisten in Deutschland nach wie vor den Großteil der Haus- und Familienarbeit und legen deshalb andere Wege zurück als Männer. sondern um die soziale Rolle derjenigen, die Versorgungsleistungen erbringen – d.h. sich um Kinder und pflegebedürftige Angehörige kümmern. Insofern unterscheiden sich die Wegezwecke aufgrund der noch gegebenen gesellschaftlichen Rollenverteilungen erheblich und sind vielfältiger.
  • Die Verkehrsplanung orientiert sich noch immer hauptsächlich am Mobilitätsverhalten eines mittelalten, berufstätigen Mannes: morgens zur Arbeit, abends zurück und sonst vor allem in der Freizeit unterwegs. Dies ist auch kein Wunder, da Verkehrsplanungsbüros meist von Männern geleitet werden und die entsprechenden Sichtweisen vorherrschen. Eine Thematisierung von Geschlechterverhältnissen findet in der Verkehrsplanung oder bei Verkehrserhebungen kaum statt.

Das Fazit daraus ist, dass eine autogerechte Verkehrspolitik eher auf die Bedürfnisse von Männern abzielt. Dem wäre gegenüber zustellen, dass ebenso die Bedürfnisse aller Menschen in die Planungen einfließen müssen. Vor Ort bedeutet dies

  • eine Partizipation nicht nur von Männern in Planungsprozessen und Entscheidungen und auch von Frauen. Ein Ansatz dazu wäre die Fortführung z.B. der Bürgerwerkstatt, wie von uns in Kleinostheim gefordert.
  • Eine gendersensible Verkehrsplanung beinhaltet demzufolge eine konsequente Förderung des Fuß und Radverkehrs. Gehsteige müssen entsprechend breit sein, so dass diese auch problemlos mit Kinderwagen nutzbar sind.
  • Es braucht Lösungen für Menschen, die Sorgearbeit leisten, und dies unabhängig vom Geschlecht.

Link zum Thema: https://www.vcd.org/artikel/zeit-fuer-eine-verkehrsministerin/


Selbst einem „Routinier“ in verkehrspolitischen Fragen hat mir diese Tagung eine neue Aspekte eröffnet, die ich gerne über die Grünen in die örtliche Diskussion einbringe.

Tino Fleckenstein, Sprecher Grüner Ortsverein Kleinostheim
tino.fleckenstein@gruene-kleinostheim.de


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