Mobilität von Morgen: Bericht zum Zukunftskongress

Unter diesem Motto öffnete der Zukunftskongress am 30.März in Kahl  seine Pforten. Nach dem Grußwort des Kahler Bürgermeisters Jürgen Seitz (SPD) führte Moderator Gregor Thiel durch den Tag mit neun Referenten zu verschiedenen Themen rund um die Mobilität.

Den Start machte Tino Fleckenstein, radpolitischer Sprecher des ADFC Aschaffenburg-Alzenau. Er berichtete von Radschnellprojekten in Göttingen und Mülheim/Ruhr und erläuterte die Planungen in der Region. Aktuell wird zwischen Darmstadt und Frankfurt ein Radschnellweg gebaut, auf welchem der Radverkehr schnell, getrennt vom Fußverkehr und möglichst kreuzungsfrei auf gesonderten Routen geführt wird, deren Breiten auch ein gefahrloses Überholen zulassen. In der Region Aschaffenburg läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg im Aschafftal (Hösbach-Aschaffenburg). Logisch wäre es daran anzuknüpfen und über Mainaschaff – Kleinostheim bis nach Kahl eine durchgehende Strecke für den Alltagsradverkehr anzubieten. Ein weiteres wichtiges Projekt für das Radwegenetz im Kreis wäre die Optimierung der Brücke Mainaschaff-Stockstadt, welche nicht nur eine Rolle in der Nahmobilität hat. Fahrradstraßen wären in der Region eine Option nicht nur in Ortsgebieten, sondern auch für Routen zwischen den Gemeinden. Tino Fleckenstein stellte klar, dass Radverkehr schneller, elektromobil, breiter (Anhänger/Lastenräder) und vor allem mehr wird und die Radinfrastruktur darauf abgestellt werden muss. Im Landkreis Aschaffenburg werden die Anforderungen oft nicht erfüllt. Betreffend Bike-and-Ride fehlen teils die Radabstelmöglichkeiten an Bahnhöfen, teils gibt es erhebliche qualitative Mängel.

Radverkehrskonzept Miltenberg

Andrea Fromberg vom Büro Via aus Köln stellte das Radverkehrskonzept des Landkreises Miltenberg vor. Dort wurde in Gesprächen mit jeder der Gemeinden die Mängel und Lücken im Radwegenetz beschrieben und Maßnahmen festgelegt, um diese abzustellen. Dabei erfolgte eine sehr genaue Erfassung hinsichtlich Radbreiten, Oberflächenqualitäten, Bewertung der Unfallzahlen, und mögliche Routenführungen. Der Mainradweg im Bereich des Landkreises Miltenberg soll als Radvorrangroute ausgebaut werden, da dieser eine wichtige und stark befahrene Route darstellt. Es erfolgte darüber hinaus eine Bürgerbeteiligung mit mehreren öffentlichen Veranstaltungen.

So etwas in der Form wünschen wir uns für den Landkreis Aschaffenburg, um bessere Angebote vor allem für den Alltagsradverkehr zu schaffen. Der Landkreis Miltenberg hat sich wie auch die Stadt Aschaffenburg auch an der bike-and-ride-Offensive der DB beteiligt und versucht in die Förderung zu kommen. Im Landkreis Aschaffenburg wurde diese Chance leider erst mal verpasst.

Shared Space

„Shared Space“ war das Stichwort von Katalin Saary, welche vor zwei Jahren in der Bürgerwerkstatt Verkehr in Kleinostheim aufgetreten ist. Anhand von Vorher-Nachher-Fotos wurde demonstriert, wie Verkehrsräume in Ortszentren so gestaltet werden können, dass alle Verkehrsteilnehmer diese gemeinsam nutzen können. Gerade in den Niederlanden wird dies oft so praktiziert, aber auch in der Region gäbe es einige Fälle, in denen dies geprüft werden sollte.

Nach weiteren Vorträgen zu Elektromobilität und wie diese in der Praxis funktioniert folgte Klaus Mark vom VCD Aschaffenburg mit einem Beitrag zum Carsharing. Dieses wurde neulich in Kleinostheim diskutiert und im Bauausschuss abgelehnt (Siehe Beitrag im Blättsche 16.02.2019).

Bedarfsverkehren (Abend/Wochenende)

Abgerundet wurde die Veranstaltung von Benjamin Schmidt von der Metropolis Service GmbH zu Bedarfsverkehren in der Region. Hier konnte er von den Erfahrungen im Anruf-Sammel-Transport der Stadtwerke Aschaffenburg berichten. Dort ist es nicht nötig auf dem Rathaus die Fahrscheine zu kaufen, die Fahrt kann per Handy-App oder Telefon mindestens 30 Minuten vor Fahrtbeginn gebucht werden. Das Routingsystem fasst mehrere Fahrtanforderungen zu einem Fahrtauftrag zusammen. Die Fahrgäste werden von ÖPNV Haltestellen im Stadtgebiet bis zu der Zieladresse in Aschaffenburg oder den Gemeinden Mainaschaff, Glattbach, Goldbach, Haibach, Sulzbach und Stockstadt gefahren.

Die Vorträge überraschten mit vielen neuen Einsichten zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Mobilität in der Region. Die Referenten überzeugten in häufig humorvollen Vorträgen mit fundiertem Fachwissen, was zu einer aufmerksamen und gut gelaunten Zuhörerschaft führte. Im Vorraum des Festsaals präsentierten die Veranstalter, der ADFC Aschaffenburg-Miltenberg, der Agenda 21-Beirat Kahl am Main, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Aschaffenburg-Land, der Solarverein Oberer Kahlgrund sowie der VCD Aschaffenburg-Miltenberg Informationen zu Ihren Organisationen und standen den Besucherinnen und Besuchern für Fragen und Anregungen rund um das Kongressthema zur Verfügung.

Tino Fleckenstein

Link zu den einzelen Präsentationen als Downloads

Link zu unserem Veranstaltungshinweis

Bericht über die Veranstaltung im Main-Echo

Die Verkehrswende muss kommen (Anton Hofreiter & Cem Özdemir)

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