Mainufer – für alle Nutzergruppen im Dialog entwickeln

Am Mainufer verläuft der sehr stark frequentierte Mainradweg. Er ist rund 600 km lang. 5 km verlaufen durch das Gemarkungsgebiet Kleinostheim. Welche Bedeutung hat der Mainradweg? Er ist überregional bedeutsam und stellt eine zentrale Achse des Radtourismus in Deutschland dar. Damit ist er auch ein Wirtschaftsfaktor. Er ist Bestandteil des D-Netzes, wie an der Wegweisung mit dem Rad und der Ziffer 5 zu erkennen ist. Zudem ist er der am stärksten befahrene Radweg am Bayerischen Untermain. Insofern verbietet sich auf einem solchen Verkehrsweg, Sperren zu errichten, wie es dieser Tage am Friedhof geschehen ist. Nach unserer Beobachtung wurde diese Sperre am Friedhof nun wieder entfernt.

Drei Meter sind zu wenig
Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind Spaziergänger und Familien, die das Mainufer zur Erholung und Verweilen nutzen. Bei rund 3 Metern Wegbreite und bis zu 300 RadfahrerInnen pro Stunde – hierfür haben wir Zählwerte – ist das gefährlich. Statistisch fährt alle 12 Sekunden ein Rad vorbei. Fußgänger, die mit Kindern und oder Tieren unterwegs sind, oder ältere Leute nehmen die hohe Belastung ebenso wahr.

Der gesonderter Radweg
Wir laden alle politisch aktiven Gruppen deshalb ein, hier in eine Diskussion einzutreten, wie den verschiedenen Nutzergruppen des Mainufers Rechnung getragen werden und gleichzeitig der ansprechende Charakter des Mainufers erhalten werden kann. Hier gibt es verschiedene Ansätze: Die FDP-Kleinostheim hat den Vorschlag eingebracht, soweit möglich, einen gesonderten Radweg anzulegen. Dieser Vorschlag sollte geprüft werden. Etwas Ähnliches wurde in Maintal, Offenbach oder Frankfurt umgesetzt. Im Landkreis Miltenberg soll gemäß dem Radverkehrskonzept der Mainradweg auf ganzer Länge als „Radvorrangroute“ mit verschiedenen Qualitätskriterien etabliert werden. In Aschaffenburg wurde eine breitere Miteinanderzone unterhalb des Schosses eingerichtet.

Ziel muss es sein die Geschwindigkeiten im gemeinsam von Fußgängern und Radfahrern genutzten Bereich am Mainufer auf einem verträglichen Niveau zu halten. In Aschaffenburg wurde dies über eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für die Miteinanderzone erreicht. In Seligenstadt wird mit Erfolg mit Bodenpiktogrammen und Beschilderungen zu einer langsamen Fahrweise aufgefordert.

Hinweise für Radfahrer am Boden … (hier: Seligenstäder Mainweg)

Mainufer nicht geeignet für Radschnellweg – andere Alternativen zum Mainufer stärken!

Ein Radschnellweg Aschaffenburg-Hanau, für den eine Machbarkeitsstudie beauftragt ist, kann aufgrund der Geschwindigkeitsvorgaben, die für Radschnellwege eine durchgängige und sichere Befahrbarkeit mit 25-30 km/h und zusätzlich eine Trennung vom Fußverkehr vorsehen, dort nicht verlaufen. Hier sind andere Alternativen für den schnellen Alltagsradverkehr gefordert. Offen ist hierbei die Frage nach der Steigerung der Attraktivität für den Radverkehr auf der B8. Tempo 30 innerorts wäre ein schneller und günstiger Ansatz. Auf der B8 ist zumindest in Teilbereichen über Schutzstreifen, kombiniert mit Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn, nachzudenken. Es fehlt die Anbindung an den Radweg Richtung Karlstein an der B8 entlang. Ebenso gibt es auf der eigentlich sehr attraktiven Radverbindung Aschaffenburg-Alzenau nördlich der Bahnlinie noch Verbesserungsbedarf (Siehe Grüner Beitrag im Blättsche 03.05.2019).

Gemeinsam Lösungen finden

Es wäre eine Aufgabe des Gemeinderats, eine auf Kleinostheim zugeschnittene und funktionale Lösung für das Mainufer im Dialog mit den verschiedenen Nutzergruppen auf den Weg zu bringen. Dazu sind wir als Grüne gerne bereit. Sobald Corona uns etwas loslässt, werden wir zu einem Treffen am Mainufer einladen.

Tino Fleckenstein


*Hintergrund: kürzlich stellte die Gemeinde am Mainradweg am Übergang zum Friedhofsparkplatz eine Sperre auf.

Neu erbaute Sperre am Friedhofsparkplatz. Aktuell wurde diese jedoch wieder enfernt.

Laut Beschluss des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses vom 10.02.2020 sollten Sperren auf allen Zufahrtswegen aufgestellt werden, um ausschließlich einer autorisierten Personengruppe das Befahren des Mainradweges mit dem PKW zu ermöglichen (Rettung, Feuerwehr, Gemeindefahrzeuge, Anlieferung Biergarten, Segelsportverein).

Spuren der KFZ-Nutzung am Mainuferweg

Als aufmerksamer Zuschauer dieser Ausschussitzung ging man davon aus, dass dies ausschließlich die Zufahrten betrifft (Dillgraben, Mainstraße, Ankergasse, Lindengasse, Mühlstraße, Schwanengasse). Auch nur in diesem Bereich wurde der kombinierte Fuß-/Radweg auch von Kraftfahrzeugen illegalerweise befahren, nicht aber im Bereich des Friedhofes. Aber genau dort – am falschen Ende – wurde dann begonnen, eine Umlauf-Sperre zu errichten**: direkt auf dem stark frequentierten Radweg (siehe Bild)
Dies Umlaufsperre ist nicht nur hinderlich, sondern stellt eine unnötige Gefahrenquelle dar.
Speziell für Rollstuhlfahrer, Kinderwägen, Tandems, Fahrradanhänger, Lastenräder und Sonderfahrzeuge sind Umlaufsperren meist unpassierbar.
(Aus diesem Grunde werden Umlaufsperren üblicherweise nicht mehr verwendet.)

Die Reaktion von ADFC (Allgemeinder Deutscher Fahrrad-Club) und Tourismusverband Franken ließen nicht lange auf sich warten, denn dieser Radweg ist nicht nur eine wichtige interkommunale Verbindungsstrecke, sondern auch Teil des touristisch genutzten, 600km langen, Mainradweges von den Mainquellen (Roter und Weißer Main) bis nach Mainz.

**Bericht hierzu im Main-Echo: https://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/die-fahrbahn-zu-schmal-und-ein-buegel-zu-viel;art3986,7026875

Weiterführende Infos:
ADFC Positionspapier zum Umgang mit Pollern und Umlaufsperren
– ADFC Arbeitshilfe zu Umlaufsperren

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