Fugen nicht auskratzen, sondern begrünen! Wege nicht bewässern!


Fugen im Gehweg müssen von den Anlieger*innen gereinigt werden. Das schreibt eine Gemeindeverordnung vor.
Wir haben nun den Antrag gestellt, die Verordnung zu ändern (-> kompletter Antrag unten). In Zukunft sollen zwar weiterhin hohes Gras und Unkraut entfernt werden, um Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen das Begehen und Befahren der Gehwege zu erleichtern. Moos, Kräuter und flache Polsterpflanzen sollen aber bleiben können.

Warum? Je mehr Grün stehen bleibt, desto mehr schützen wir uns vor Überschwemmungen bei Starkregen und vor Hitze. Auch kleine Bodenpflanzen speichern Wasser und lassen es langsamer abfließen – eine sinnvolle und günstige Klimaanpassungsmaßnahme.

Bis über unseren Antrag im Gemeinderat entschieden wird, kann jede und jeder schon im Privatbereich etwas für den Klimaschutz tun: auf der Terrasse oder auf Gartenwegen die Fugen bepflanzen, statt sie mühsam auszukratzen. Geeignet sind zum Beispiel Stachelnüsschen, Pfennigkraut, Sternmoos, Mauerpfeffer, Sand-Thymian und Teppich-Golderdbeere. Bei sehr schmalen Fugen eignen sich spezielle Samenmischungen, die Kräuter und widerstandsfähige, klein bleibende Grünpflanzen enthalten und eingefegt werden können. Besonders trittfest sind Braunelle und Römische Kamille.

Carla Diehl, Gemeinderätin
carla.diehl@gruene-kleinostheim.de



Antrag:

Änderung der Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der Betreff: öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter vom 16.12.2011

Begründung:

Bisher waren die Bürgerinnen und Bürger angewiesen, bei Trockenheit den Gehweg vor ihrem Haus mit Wasser zu sprengen (§ 5b) und von Gras und Unkraut zu befreien (§ 5c).

Der Klimawandel führt zunehmend zu mehr Hitzetagen und Starkregen. Wasser zu sparen und Wohngebiete zu begrünen sind notwendige und geeignete Klimaanpassungsmaßnahmen.

Trinkwasser zum Sprengen von Gehwegen zu nutzen, ist angesichts der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß und ein unnötiger Wasserverbrauch.

Die Bürgerinnen und Bürger sollten deshalb nicht mehr dazu verpflichtet sein, bei Trockenheit und Staubentwicklung Gehwege zu sprengen.

Um Trinkwasser zu sparen, sollte der Unterpunkt b) deshalb gestrichen werden.

Pflanzen nehmen Wasser auf und lassen es langsamer abfließen. Das entlastet die Kanalisation und kommt auf der anderen Seite den Bäumen zugute. Mehr Grün kühlt und schafft in der Wohnbebauung ein besseres Klima.

Unterpunkt c) sollte deshalb als neuer Punkt b) so angepasst werden, dass zumindest niedrigwachsendes Gras, Moos und/oder flache Polsterpflanzen stehen bleiben können.

Denn schon schmale Bepflanzungen bewirken in der Summe viel.

Wir bitten, dem Antrag zuzustimmen.

Beschlussvorschlag:

Die Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter vom 16.12.2011 wird geändert:

§ 5 b) entfällt

§ 5 c) wird zu b) und wird wie folgt geändert: von hochwachsendem Gras und Unkraut zu befreien. Moos, Kräuter und flache Polsterpflanzen können in den Fugen belassen werden, sofern sie das Begehen oder Befahren (Rollatoren, Rollstuhl, Kinderwagen) gewährleisten.

Die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist verboten.

Antrag genehmigt
im HVA vom 26-07-22

Links hierzu:
Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen, aktuelle Fassung (pdf-Download)

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Ein Kommentar

  1. Das Bewässen von Gehwegen zur staubfreien Reinigung ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und eigentlich verantwortungslos…
    Und zum Entfernen von Unkraut aus den Fugen setzen viele Leute (neben verbotener Chemie) auf Wegflammen. Das ist zur aktuellen Gaskrise eh sehr unsinnig. Und dann auch noch sehr gefährlich: vor 5 Jahren hat dadurch ein Anlieger der Industriestraße seinen Vorgarten samt Tanne abgefackelt.
    Also: hier könnte man doch diese Verordnung der Zeit anpassen …
    Wichtiger wäre es, wenn in Gewerbegebieten die Firmen über ihre Reinhaltepflicht informiert werden würde. Ich habe mehrfach Heraeus angeschrieben, da dort sehr viel Müll herumliegt, der dann auf die Äcker geweht wird. Ich sehe es nicht mehr ein, im Rahmen von Clean-Up-Kleinostheim deren Aufgabe zu übernehmen (zumal sie nicht antworten.)