Kinderkrippe Kastanienbaum

Die Kastanie auf dem Gelände der neuen Kinderkrippe darf bleiben. Mehrheitlich hat der Gemeinderat beschlossen, das Außengelände so umplanen zu lassen, dass der über 60 Jahre alte Baum nicht beschädigt oder gefällt wird. Über diese Entscheidung freuen wir uns sehr. Nun kann der Baum als Schattenspender, Sauerstofflieferant und „Klimaanlage“ die kleinen Kinder im Sommer schützen.
Wir sind überzeugt, dass die Kinder bei zügiger und sinnvoller Planung trotzdem genügend Platz zum Laufen, Spielen und Fahren haben werden und die Kinderkrippe wie geplant im Sommer eröffnet werden kann. Wir werden die Verwaltung dabei gerne unterstützen und danken allen, die sich für den Erhalt des Baums eingesetzt haben.

Wir brauchen beides für unsere Zukunft: Kinder und Bäume

Eigentlich sollte die Sachlage lange klar gewesen sein. Durch die Gestaltung des westlichen Teilaußenbereichs der neuen Kinderkrippe wäre der letzte vorhandene gesunde Baum (Kastanie) so geschädigt worden, dass er nicht überleben würde. Fazit: Der Baum muss weg.

Da eine Fällung nur noch bis zum 1. März möglich ist, sollte am 12. Februar Hand angelegt werden … doch das wurde durch aufmerksame Bürger verhindert.

In der Sitzung des Bau-, Mobilitäts- und Klimaschutzausschusses (BMKA) am 9. Februar (3 Tage vor der geplanten Fällung) hielt man es nicht für erforderlich, über diese Maßnahme im Voraus zu informieren. Warum? Das entzieht sich unserer Kenntnis.

Das ist umso unverständlicher, da bisher schon mehrere Bäume trotz der Absichtserklärung „Bäume zu erhalten“ gefällt wurden und dies der letzte Baum auf diesem Gelände wäre.

Durch diese unerwartete Ausgangslage wurde am 18. Februar um 11 Uhr (!) eine außerplanmäßige BMKA-Sitzung einberufen, um einen Beschluss über das weitere Vorgehen zu erhalten. Ernüchternd ist festzustellen, dass keine Erklärung zur Vorgehensweise vorgetragen wurde, stattdessen die Beschreibung der sehr kurzfristigen Abfolge der Abwicklung und das Beharren auf der Planung.

In dieser Sitzung konnte leider keine zielführende Sachdiskussion zu einer möglichen Umplanung geführt werden, die den Baum retten würde. Dagegen wurde viel daran gesetzt, die Diskussion durch ein drohendes (Angst)Szenario einer verspäteten Krippeneröffnung zu prägen, obwohl durcheine Umplanung (z. B. andere Ausführung der Bahn, gleiche Strecke) kein Zeitverzug zu erwarten wäre. Im unwahrscheinlichen Fall einer Verzögerung könnte die Kinderkrippe in der Testphase, in der mit nur 2 Gruppen gestartet wird, auf diesen kleineren Teil des Außenbereiches kurzfristig ver-zichten. Die ganze Längsseite stünde noch zur Verfügung. Auch das wäre nicht unüblich und machbar. Das enttäuschende Abstimmungsergebnis mit 6:2 gegen eine Umplanung kann auch nurdurch diesen Diskussionsschwerpunkt erklärt werden, denn über eine alternative Ausführungswei-se wurde nicht beratschlagt.

Ein starkes Zeichen wäre es hingegen gewesen, wenn die Energie in Lösungen zum Erhalt des Baums und in eine gute und kindgerechte Gestaltung der Außenanlage gelenkt worden wäre.

Mit der Unterstützung von mindestens 25 Prozent des Gemeinderats konnte ein begründeter Überprüfungsantrag eingebracht werden. Deshalb wurde eine Gemeinderatssitzung für Dienstag, 23. Februar, einberufen. Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. (wir berichten aber zeitnah auf unserer Homepage)

Friedolf Bickel, Gemeinderat
friedolf.bickel@gruene-kleinostheim.de

Kinder brauchen Raum – und Natur

Ja, Kinder brauchen Platz, um sich zu bewegen und ihre motorischen Fähigkeiten auszubilden. Dafür ist im Außengelände in der neuen Kinderkrippe wenig Platz. Der alte Kastanienbaum verringert den Platz zusätzlich. Aber ist das wirklich so schlimm? Bemerken kleine Kinder, ob ihnen einige Quadratmeter Fläche fehlen?

Kinder brauchen Raum – aber sie brauchen auch die Erfahrung in und mit der Natur. Kinder haben heute viele Spielsachen und auch Spielgeräte zu Hause. Dagegen sind die Möglichkeiten, Natur zu erleben eingeschränkt. Unter einem großen Baum zu spielen, das Rauschen der Blätter zu hören, das Licht- und Schattenspiel zu beobachten und im Herbst die Kastanien aufzusammeln, kann mehr schöne Erfahrungen bedeuten als einige Meter mehr auf einem Rutschauto.

Der Wunsch der Kinderkrippenleitung nach einer ebenen und stolperfreien Fläche, auf der sich die Kinder gefahrlos bewegen können, ist verständlich. Eine Neuplanung aber könnte beides vereinen: eine Fläche zum Befahren und einen schönen Baum zum Darunter spielen.

Carla Diehl, Gemeinderätin
carla.diehl@gruene-kleinostheim.de

Wenn man den Wert eines Baumes kennt, findet man Alternativen ihn zu erhalten

Mindestens 60 Jahre steht eine alte Kastanie im hinteren Bereich der jetzt neu gebauten Kinderkrippe. Doch sie soll weichen für ein neues Außengelände der Krippe.

Im Gemeinderatsbeschluss vom 25.7.2019 wurde dem Entwurf für den Neubau der Kinderkrippe mit Außenanlage zugestimmt. Darin heißt es: „Die ursprünglich geplante Nestschaukel wurde aus der Planung genommen, damit ein Bestandsbaum erhalten bleiben kann“ und „In der Planung wurde der Baumbestand berücksichtigt und versucht zu erhalten“

Mittlerweile sind die meisten Bäume gefällt (insgesamt 6 Stück). Es stehen noch die Kastanie und zwei Birken. Die Birken sind laut Baumexperte wohl nicht mehr zu retten, da ihre Wurzeln durch den Bau der neuen Kinderkrippe stark beschädigt wurden. Somit bleibt von den einstigen Anstrengungen, alle Bäume zu erhalten, leider nichts mehr übrig.

9 Bäume gefällt, Null Bäume erhalten.

Uns wurde von einem Bau- und Baumexperten berichtet, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, umliegende Bäume so zu schützen, dass sie beim Neubau überleben.

Mittlerweile kennt man den Wert von Bäumen sehr genau, und die meisten wissen diesen Wert auch zu schätzen.

Besonders wichtig für die Kinder in der Kindergrippe ist der Schutz vor der Hitze im Sommer. Der Baum spendet Schatten und kühlt die Umgebung durch seine Verdunstungskälte.

Eine befreundete Erzieherin hat uns erzählt, wie in ihrem Kindergarten die Bäume gefällt wurden und sie trotz künstlicher Beschattung mit den Kindern im Sommer nicht mehr nach draußen kann, weil es einfach zu heiß für die Kleinen ist.

Nun sollen neue Bäume nachgepflanzt werden. Ein 60 Jahre alter Baum ist jedoch nicht einfach zu ersetzen. Eine Ersatz-Bepflanzung braucht Jahrzehnte, um die Werte des „Vorgängers“ zu erreichen und ein guter Schattenspender und eine effektive Klimaanlage zu werden. Das werden viele Kinderkrippen-Kinder nicht mehr erfahren. Gerade weil die Sommer immer heißer werden, sind die Bäume mitten im Dorf so wichtig.

Es gibt auch richtig große Bäume, die man kaufen könnte, 20 Jahre alt sind und 6-8 Meter hoch, zwar immer noch kein adäquater Ersatz für die Kastanie, aber besser wie nichts dachten wir. Allerdings bekommt man so große Bäume nicht mehr an dem schmalen Streifen an der Kinderkrippe vorbei. Mit einem Wurzelumfang von 2 Metern und einer Gesamtlänge von 8-10 Metern ist das nicht machbar.

Wie man bei der Ketteler-Schule gesehen hat, sind die dort gepflanzten Bäume nach 10 Jahren immer noch keine Schattenspender. Jetzt will man einen Sonnenschutz anbringen. Das wird auch an der Kinderkrippe notwendig sein. Allerdings bringt ein Sonnensegel nicht den gleichen kühlenden Effekt wie ein stattlicher Baum und außerdem staut sich darunter die Hitze.

Sabine Dornberg, Gemeinderätin
sabine.dornberg@gruene-kleinostheim.de

Skizze der Kite mit Außengelände. Orangefarben ist die „Bobbycar“-Bahn mit zwei Ringen, die unterhalb des Baumes miteinander verbunden sind.
Kastanie im letzten Sommer, weißblühend
Kastanie, aus der Ferne.
Kastanie am 12.02. um 8:30Uhr
Vordergrund: 2 Birken, die zwar geschädigt sind, aber wohl erst im Herbst gefällt werden.
Im Hintergrund 2 gefällte Ahornbäume
2 gefällte Ahornbäume
5 gefällte Bäume am alten Spielplatz, der dem Parkplatz weichen muss.

2 Kommentare

  1. Olav Dornberg

    Die Welt ist voller Lösungen!
    Viele Bäume mussten bisher weichen, und das entgegen der ursprünglichen Planung für die neue Kinderkrippe, auf die wir uns alle freuen. Neben zwei Birken, die auf ihre Fällung noch warten, steht im hinteren Bereich noch ein wunderschön gewachsener, alter Kastanienbaum. Dieser soll jetzt – mangels Alternativen – gefällt werden. Anfangs sogar ohne Beratung durch die entsprechenden Organe (Bauausschuss, Gemeinderat). Heute weiß ich noch nicht, wie der Gemeinderat am letzten Dienstag letztendlich entschieden hat.
    Ich kritisiere, dass die Situation als „alternativlos“ dargestellt wird: „Bobbycar“-Bahn oder Baum. Warum nicht Bahn und Baum? „Alternativlos“ wurde 2010 zum Unwort des Jahres gewählt: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe“, argumentierte damals die Jury von Sprachkritikern.
    Und genau das ist auch unser Problem. Gerade beim Bauen ist es üblich, kurzfristig umzuplanen, auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. Auch beim Rohbau wurde z. B. kurzfristig ein Teil des Daches umgeplant – ohne Zeitverzug. Was ist nun der Grund, dass man die Fällung des Baumes als alternativlos sieht – und nicht nach einer passenden Lösung suchte? Eine Lösung, mit der alle gut leben: vor allem die Kinder, aber auch der Träger, die Verwaltung, die Gemeinderäte und ganz wichtig: der Baum?
    Genau dafür gibt es die erfahrenen Landschaftsgestalter, Fachplaner, Ingenieure und Experten: Sowohl bei uns in der Verwaltung, als auch bei den ausführenden Unternehmen!
    Der Baum hat für diesen Außenbereich, neben all seinen wichtigen ökologischen Funktionen, ganz überzeugende Eigenschaften: Schatten spenden, Luft kühlen und reinigen. Ganz wichtig in den heißen Sommern, die wir weiterhin erwarten.
    Wir schaffen es, ein Fahrzeug auf den Mars zu bringen, dann schaffen wir es auch, diesen Baum zu erhalten 😉 … die Welt ist voller Lösungen.

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